Strumpfbandnattern - Nachzucht und Überwinterung in der Freilandanlage

Immer ist es ein sehr erfreuliches Erlebnis nach einem langen Winter die ersten Schlangen im Freilandterrarium wieder zusehen. Ein gutes Gefühl kommt auf, es ist wieder mal gut gegangen, der Überwinterungsbehälter war tief genug, das zusätzlich aufgeschüttete Buchenlaub war ausreichend. Wenn ich dann nach und nach alle Schlangen wieder gesehen habe, kommt Freude auf. Die darauf folgende Paarung und letztendlich auf die Jungtiere im Spätsommer, lassen das Terrarianerherz höher schlagen. Doch danach geht das Bangen wieder los, wie werden die Jungtiere in den Herbst kommen und den darauf folgenden Winter überstehen. Und das ist auch sehr abhängig von der Wetterlage.

 

Meine bisherigen Erfahrungen habe ich Jahr für Jahr dokumentiert und erst nach Jahren entsteht ein Erfahrungsbild über das ich hier schreiben werde. Wenn ich hier von meinen Schlangen in der Freilandanlage schreibe, sind es die zwei Arten Thamnophis s.parietalis und Thamnophis radix , die ich seit Jahren in der Anlage halte.

 

Seit dem Winter 2008/2009 habe ich einen etwas anderen Winterschutz im Außenterrarium praktiziert. Ich decke mein gesamtes Terrarium oben mit einer stabilen lichtdurchlässigen Folie ab. Damit gelangt weniger Regen- und Tauwasser im Herbst und Ende des Winterns  ins Innere des Terrariums. Damit möchte ich die Nässe im Terrarium reduzieren. Insbesondere möchte ich damit vermeiden, dass das nicht absickernde Wasser den unteren Teil des Überwinterungsbunkers unter Wasser setzt. Die dicke Schneeschicht schützt das Terrarium vor all zu strengem Frost, der dadurch auch weniger tief in den Boden eindringt. Nach der Schneeschmelze nehme ich dann die Folienabdeckung komplett ab, so dass nur noch ein schmaler Teil des Terrariums das gesamte Jahr abgedeckt ist. In dem darunter befindlichen Laubhaufen halten sich die Schlangen sehr häufig bei  Wetter auf. Meine Temperaturmessungen im Winter 2009/2010 im Überwinterungsbereich ergaben seit Dezember 2009 Werte um die 4° bis 5° C. Seit dem ich den Laubhaufen im Terrarium vergrößert habe, konnte ich bisher auf eine zusätzliche 25W-Elektroheizung im Bunker verzichten, trotz Außentemperaturen um die -15°  bis -18° C. Ich kann das Heizkabel aber sofort wieder zuschalten, wenn die Temperaturen unter 3° C im Bunker sinken. (Temperaturmessung erfolgt über ein Thermometer mit 2,5 m Temperaturfühler.

 

Je nach Großwetterlage kann sich  der Beginn der warmen Tage im Frühjahr verschieben. In einem zeitigen Frühjahr in der Freilandanlage, hier im Leipziger Raum ist das so Ende März Anfang April, lassen sich sehr zögerlich die ersten Schlangen beim Sonnenbaden sehen. Wenn dann die Paarungen einsetzen, ist mit den ersten Jungtieren Ende Juli zu rechnen. Zwei Möglichkeiten gibt es dann: Die Jungschlangen verbleiben in der Anlage oder sie werden in ein Zimmerterrarium umgesetzt.

 

Der Verbleib im Freiland kommt den natürlichen Bedingungen ziemlich nahe, jedoch ist  die Verlustrate bis zum Herbst sehr hoch. Die Tiere, die dann doch noch kurz vor der beginnenden Winterruhe heraus gefangen und ins Zimmerterrarium umgesetzt wurden, starben kurz danach. Sie waren schon zu sehr geschwächt und nahmen kein Futter mehr zu sich. Im Freiland sind zwar Regenwürmer an feuchten Stellen unter Steinen und im Rindenmulch ausreichend zu finden, möglicher weise sind sie zu groß für die kleinen „Schnürsenkel“. Jedoch an Stinte, die klein geschnitten angeboten werden, gehen sie ran aber die adulten Tiere sind meist schneller, so dass Jungtiere meist das Nachsehen haben.

 

Eine andere Variante, die ich praktiziert habe, ist die, ich lasse die Jungtiere nach dem Schlupf noch bis Ende August im Freiland, fange die heraus, die ich bekommen kann und biete ihnen im Terrarium geschnittene Würmer mit kleinen Stintstückchen an. Sie fressen dann nach dem zweiten und dritten Futterangebot. Die guten Fresser  werden ab Oktober für vier Wochen dunkel und kühler gehalten. Die wenigen Pflegebedürftigen werden normal weitergepflegt, die Todesrate bei diesen Kümmerlingen ist aber sehr hoch. Die Kurzzeitüberwinterer kommen dann wieder in die Wärme und werden durchgepflegt bis zum Frühjahr, in diesem Lebensabschnitt ist die Überlebenschance sehr hoch, es gab kaum noch Ausfälle.

 

Anders sind meine Erfahrungen bei einem späten aber kurzen Frühjahr, wie im Jahr 2009. Dann kommen die Schlangen erst Mitte Mai aus dem Überwinterungsbunker. Möglicherweise erreicht sie das Signal, dass der Winter vorbei ist erst sehr spät in ihrem Überwinterungsbunker, begünstigt auch durch die gute Laubisolation. Die ersten  Schlangengeburten sind dann erst im September zu erwarten. Ab Oktober werden die Nächte schon wieder kälter und die Sonnententage sind mitunter noch sehr warm. An diesen Tagen habe ich dann die Jungschlangen abgefangen, habe sie dunkel und kühler gehalten. Ab November kamen sie in das warme Terrarium und sie haben gleich gefressen. Dennoch sind 25% der Jungtiere gestorben, möglicherweise an Unterernährung. Die Ausfallrate der Thamnophis radix war größer als die der Thamnophis s. parietalis.

 

Ein unbestimmter Teil an Jungtieren aus 2010 befindet sich noch in der Freilandanlage und ich hoffe wieder, dass sie in diesem Jahr wieder hervorkommen. Dann habe ich vor, sie zu fangen und in einem separaten kleinen Außenterrarium gut zu füttern und wieder ab Spätsommer in die Anlage freizulassen. Es ist sicher ein Experiment, das zu neuen Erkenntnissen führen wird. Möglicherweise wird es in diesem Jahr wieder ein langer Schlangenwinter und ein spätes Frühjahr. In einem nächsten Beitrag im Roßmäßler-Rundbrief werde ich über meine Frühjahrserfahrungen 2011 berichten.

 

Eckhard Stange

© 2013 by Verein für Terrarienkunde und Feldherpetologie "Prof. Emil Adolf Roßmäßler" Leipzig e.V.

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